Evangelisch in Gummersbach

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… Vera Gast-Kellert

Vera Gast-Kellert (Jahrgang 1944) lebt seit der Pensionierung ihres Mannes, der bis 2005 als Pfarrer in Köln tätig war, wieder in Gummersbach. Sie studierte Englisch und Geschichte für das höhere Lehramt. Seit 1991 ist sie ehrenamtliche Vorsitzende der Frauenarbeit im Gustav-Adolf-Werk (GAW) in Deutschland und in dieser Funktion auch Mitglied im Gesamtvorstand des Werkes. 1998 wurde sie als Prädikantin der Evangelischen Kirche im Rheinland ordiniert. Für ihre vielfältige ehrenamtliche Tätigkeit erhielt sie 2005 das Bundesverdienstkreuz.

Fragen an_Vera Gast-Kellert

Was dachten Sie mit 18, wo Sie heute stehen würden?

Damals war ich Schülerin am Städtischen Mädchengymnasium in Gummersbach. Ich wollte auf keinen Fall in Gummersbach bleiben, sondern in weltweiten Bezügen und pädagogisch arbeiten. Deshalb ging ich nach dem Abitur zum Studium nach Hamburg und in die USA. Meine ersten Berufserfahrungen machte ich an einer evangelischen Internatsschule in Äthiopien. Diese Erfahrung hat mich bis heute geprägt.

Welche Eigenschaften brauchen Sie für Ihre Arbeit im Gustav-Adolf-Werk?

Da ist zunächst die Bereitschaft, Menschen in ganz anderen Lebensbedingungen und mit anderen Lebenserfahrungen vorbehaltlos zu begegnen. Meine Liebe zu Fremdsprachen kommt mir da schon entgegen. Da ich aus dem oberbergischen Pietismus stamme, verfüge ich über vergleichsweise gute Bibelkenntnisse! Das hilft auch. Außerdem schreibe ich gerne.

Was lieben Sie an Ihrer Aufgabe?

Es ist die Arbeit mit sehr vielen unterschiedlichen Menschen und Gruppen, einmal hier in Deutschland, aber auch in den Partnerkirchen des Gustav-Adolf-Werkes, besonders in Russland. Ich erlebe hier einerseits Globalisierung ganz konkret aus der Perspektive der kleinen evangelischen Minderheitskirchen, andererseits weitet sich mein eigener Glaube. Es macht mir Spaß, mit den Christen vor Ort zusammen Projekte für ihre Gemeinden zu entwickeln und diese zu unterstützen.

Welches sind Ihre größten Herausforderungen?

Das Gustav-Adolf-Werk ist ein Spendenwerk. Wie auch bei anderen kirchlichen Werken geht der Zuschuss der Evangelischen Kirche in Deutschland und auch das Kollektenaufkommen zurück. Andererseits gibt es durch die Öffnung Osteuropas viele wichtige Bitten um Unterstützung. Der Spendenmarkt ist unüberschaubar geworden, und es bedarf einer großen Öffentlichkeits­arbeit, um sichtbar zu bleiben. Der größte Teil der Arbeit, wie auch bei mir, geschieht ehrenamtlich. Und das setzt Grenzen.

Wo sehen Sie das Gustav-Adolf- Werk in zehn Jahren?

Ich wünsche mir weiterhin ein lebendiges Werk, das man nicht nur – aber auch – mit Sammeltüten verbindet! Ich wünsche mir ein Werk, das seine ökumenische Kompetenz einbringt in unser kirchliches Leben in Deutschland und weiterhin dazu beiträgt, dass die kleinen evangelischen Gemeinden in der Diaspora sich nicht verlassen fühlen, sondern in vielfältiger Weise gestärkt werden. Die Präambel der Satzung des Werkes nennt das „geistliches und materielles Miteinanderteilen in ökumenischer Verantwortung“.

Fragen an_Vera Gast-Kellert_Russland
Vera Gast-Kellert (2. von rechts, oben) mit Teilnehmern eines Gemeindeseminars in Russland

Wenn ein Wunsch auf jeden Fall wahr würde: Was würden Sie sich wünschen?

Dass das pfingstliche Sprachwunder bei uns geschieht und wir uns als Glaubensgeschwister in Jesus Christus erkennen, von seinem Geist beflügelt werden und unsere Gaben teilen.

Welcher Bibelvers ist Ihnen besonders wichtig?

Es ist der Vers, den Petrus in der Pfingstpredigt aus dem Propheten Joel zitiert: „Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben.“ Es ist die großartige Verheißung des Heiligen Geistes für alle, Männer und Frauen, Alte und Junge, also das, was die Reformation als das „Priestertum aller Gläubigen“ wieder entdeckte. Das zeigt eine wunderbare Perspektive, gerade auch für die Frauen.

Warum ist es sinnvoll, für das GAW zu spenden?

Diese Spenden erreichen wirklich die evangelischen Christen vor Ort. Die Gemeinden und Gruppen sind Träger der Projekte, durch die sowohl das Gemeindeleben selbst wie auch die soziale Arbeit gestärkt wird. In der Lutherischen Kirche in Russland beispielsweise waren alle Kirchen enteignet. Es bedarf eines großen finanziellen Engagements, um einfache Versammlungsräume für die kleinen, armen Gemeinden zu bauen. Dazu kommt die theologische Ausbildung, die es während der kommunistischen Zeit nicht gab, und die diakonische Arbeit, mit der die Gemeinden ihrer Gesellschaft dienen. Spenden für das GAW können die Welt verändern!

Interview, Foto von Vera Gast-Kellert: Frank-Michael Rommert