Renate Vogt (Jahrgang 1955) ist geschieden und hat eine erwachsene Tochter. Aufgewachsen ist sie in einer christlichen Familie mit fünf Geschwistern in Berghausen, Gemeinde Morsbach. Mit 18 ging sie in die Ausbildung zur Krankengymnastin nach Marburg. Bis dahin hat sie aktiv in der Evangelischen Kirchengemeinde Holpe mitgearbeitet (Kindergottesdienst, Jungschar, CVJM und Kirchenchor). Seit 1987 engagiert sich Renate Vogt – selbst eine trockene Alkoholikerin – beim Blauen Kreuz Waldbröl/Rölefeld und seit 1994 in Gummersbach, wo sie vor drei Jahren die Leitung des Vereins übernommen hat. Dort begleitet sie Menschen auf dem Weg aus der Sucht.

Was dachten Sie mit 18, wo Sie heute stehen würden?
Mit 18 habe ich meine Ausbildung als Krankengymnastin in Marburg begonnen und hatte den Kopf voller Pläne. Entweder wollte ich eine eigene Praxis aufbauen oder das Abitur nachholen um dann Medizin zu studieren. Nach meinem Examen wollte ein Jahr in einem Kibuz in Israel arbeiten. Es kam dann vieles ganz anders.
Wie kam das Blaue Kreuz in Ihr Leben?
Aus eigener Betroffenheit. Das Scheitern meiner Ehe, meiner Träume und Hoffnung auf ein Familienleben waren Auslöser für meine Alkoholerkrankung. Durch Heirat in eine Atheistenfamilie habe ich mich bewusst von Gott getrennt. Ich weiß heute, dass ich diesen Weg der Sucht gehen musste, um ein neues Leben zu erhalten. Ich weiß, dass Gott mich auch in dieser schweren Zeit nicht verlassen hat.
Vor zwanzig Jahren bekam ich dann Kontakt zum Blauen Kreuz. Dort waren Menschen aus allen sozialen Schichten, und mein Bild von Alkoholikern änderte sich. Dort bin ich Menschen begegnet, die das gleiche Problem hatten wie ich, und die mich ernst nahmen. Mithilfe der Gruppe ist es mir gelungen, ein neues Leben zu beginnen. Ich bin gerne Blaukreuzlerin und versuche den Menschen, die noch im Sumpf der Sucht stecken und dort heraus wollen, mit meinen Möglichkeiten Hilfestellung und Begleitung zu geben.
Welche Eigenschaften brauchen Sie bei der Blau-Kreuz-Arbeit?
Eine christlich-ethische Grundhaltung, Kenntnisse über die Suchtproblematik, Einfühlungsvermögen, Verantwortungsbereitschaft, Ehrenamtlichkeit, Konfliktfähigkeit. Wichtig ist auch die Vorbildfunktion (eigene Abstinenz).
Was lieben Sie an Ihrer Aufgabe?
Es ist die Arbeit mit sehr unterschiedlichen Menschen, die aber die gleiche Problematik haben. Alkoholismus ist eine anerkannte Krankheit, dabei ist nicht nur der Betroffene krank, sondern auch sein Umfeld erkrankt mit. Schön ist es zu erleben, wenn ein Mensch gesund wird und ein neues Leben anfängt.

Welches sind Ihre größten Herausforderungen?
Es ist mir wichtig, unsere Arbeit in der Öffentlichkeit bekannter zu machen, um damit Akzeptanz und Toleranz in der Bevölkerung zu gewinnen. Denn die Alkoholerkrankung zieht durch alle Schichten, vom Arzt bis in zum Obdachlosen, von der allein erziehenden Mutter bis hin zum 15jährigen Sohn des Managers.
Ich wünsche mir, dass wir viele unterstützende Menschen und Freunde für unsere Arbeit finden.
Warum ist es sinnvoll, für das Blaue Keuz zu spenden?
Spenden brauchen wir, um diese Arbeit überhaupt tun zu können. Das Geld wird für die Ausbildung- und Weiterbildung, für Supervision, Gruppenseminare und die vielen Fahrtkosten gebraucht. Wir arbeiten mit neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ehrenamtlich, und unsere Blau-Kreuz-Gruppe besuchen im Durchschnitt 35 bis 40 betroffene Menschen einmal wöchentlich. Dazu kommen viele Hausbesuche. Für jede Spende sind wir sehr dankbar und jede Unterstützung ermutigt uns dabei, weiter zu machen.
Welcher Bibelvers ist Ihnen besonders wichtig?
Psalm 6 und Psalm 30 nach der Auslegung von Johannes Hansen.
Renate Vogt ist erreichbar unter Tel. (0 22 94) 76 91.
Interview und Fotos: Frank-Michael Rommert
