Edelinde Koch-Hein (1952) ist seit Mitte der 80er-Jahre im Oberbergischen zu Hause. Davon war sie 15 Jahre lang als Gemeindepfarrerin in Gummersbach-Derschlag und vier Jahre als Krankenhausseelsorgerin am Kreiskrankenhaus Gummersbach tätig. Seit dem Weggang von Pfarrer Becker arbeitete sie zunächst ehrenamtlich und seit dem 1. August 2006 hauptamtlich mit einer halben Stelle in unserer Kirchengemeinde.
Frau Koch-Hein hat eine Funktionspfarrstelle, das heißt, sie ist für die Seniorenzentren tätig, begleitet Besuchsdienste, pflegt Kontakte im Krankenhaus, in den Hospizdiensten, den Trauergruppen und der Diakoniestation. Ehrenamtlich unterstützt sie außerdem die Kantorei. Pfarrerin Koch-Hein stammt ursprünglich aus Köln, wo beide Eltern noch leben. Die erwachsenen Söhne sind schon außer Haus. Ihre erste Ehe wurde geschieden; jetzt ist Frau Koch-Hein mit einem Lehrer der Gesamtschule Derschlag verheiratet.
Die studierte Theologin und Sozialpädagogin durchlief eine klinische Seelsorgeausbildung in Neuwied. In ihrer Freizeit pflegt sie ihre Liebe zur klassischen Musik und entspannt sich beim Radwandern.

Was dachten Sie mit 18, wo Sie heute stehen würden?
Mit 18 dachte ich, ich würde später Kirchenmusik machen und nebenbei intensive Gespräche führen – es kam genau umgekehrt.
Welche Eigenschaften brauchen Sie für Ihre Arbeit?
In der Gemeinde: eigene Ideen und Führungskraft. Auf der Kanzel: verständlich reden und Gedankenanstöße geben. In der Seelsorge: mit Zuwendung und Toleranz Menschen begleiten.
Was lieben Sie an Ihrer Aufgabe?
Dass ich mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammenkomme und ihnen ein Stück Begleiterin sein kann. Dass ich im Gottesdienst Gottes frohmachende Nähe zusagen und Liturgie feiern kann. Und vor allem: Dass ich wegen meiner halben Stelle dazu endlich einmal Zeit habe!
Welches sind gegenwärtig Ihre größten Herausforderungen?
Eine große Herausforderung war für mich, dass die oft überfordernde Vielfalt im Gemeindepfarramt keine Zeit dazu lässt, den einzelnen Menschen wirklich wahrzunehmen. Eine große Herausforderung ist für mich, in der sich verändernden gesellschaftlichen und kirchlichen Situation mutig und kreativ zu bleiben und die schwachen Menschen im Blick zu behalten. Ermutigend ist dabei, dass der Herr der Kirche unsere geringen Kräfte vermehrt, wenn wir nur ihn wirken lassen.
Wenn ein Wunsch auf jeden Fall wahr würde: Was würden Sie sich wünschen?
Alte Menschen werden immer zahlreicher und außerdem immer älter. Kirche und Gesellschaft müssen sich dem stellen. Ich soll mich – laut Dienstauftrag – bis zu meiner Pensionierung in etwa zehn Jahren „überflüssig machen“. Daher wünsche ich mir, dass es gelingt, genügend Ehrenamtliche zu finden, die weiterführen, was mir am Herzen liegt.

Welcher Bibelvers ist Ihnen besonders wichtig?
Römer 12, Vers 15: „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden“ – das ist mein berufliches Motto. Die Neigung zu den schweren Seiten des Lebens hat biografische Gründe (Eltern Kriegsgeneration). Lebensfreude ziehe ich aus dem gesungenen Glauben, wie ihn vor allem der „fünfte Evangelist“, Johann Sebastian Bach, zu wecken vermag.
Warum lohnt es sich, den Gottesdienst zu besuchen?
Gemeinsam singen befreit. Gemeinsam beten tröstet und behält den Nächsten im Blick. Gemeinsam um Wegweisung ringen, die uns Jesus Christus als Gottes Wort heute gibt – all das geht in Gemeinschaft besser als alleine!
Interview und Fotos: Frank-Michael Rommert
