Evangelisch in Gummersbach

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… Dirk Kurpat

Dirk Kurpat engagiert sich seit Anfang der 80er-Jahre in der CVJM Kontaktgruppe, seit mehr als zehn Jahren steht sein Name auf dem Briefkopf dieser Gruppe. Er ist verantwortlich für Finanzen, Termine sowie Organisation und fungiert damit als Ansprechpartner für Mitarbeiter, Interessierte, Justiz, Kirchengemeinden, Spender, Öffentlichkeit und Inhaftierte. Dirk Kurpat ist verheiratet und hat zwei Töchter. Der Angestellte eines großen Gummersbacher Kranherstellers ist seit seiner Jugend in der evangelischen Kirche ehrenamtlich tätig.

Fragen an_Dirk Kurpat

Was dachten Sie mit 18, wo Sie heute stehen würden?

Ich versuche, mein Leben und meine Zeit nicht zu verplanen, sondern möchte Gott die Mög­lichkeit geben, mich für seine Aufgaben zu verplanen. So wenig ich mir heute Gedanken mache, wo ich mit 65 stehen werde, so wenig habe ich mir mit 18 Gedanken gemacht, wo ich mit 46 stehen werde. Ich weiß, dass Gott sich Gedanken über meine Zukunft macht und wünsche mir, dass ich diese Gedanken erkenne.

Welche Eigenschaften brauchen Sie für Ihr Ehren­amt?

Ein Mitarbeiter in der Kontaktgruppe braucht eigentlich nur eine besondere Eigenschaft: die Fähigkeit, dem anderen zu sig­nalisieren: ich bin jetzt deinetwegen hier, rede du, ich hör dir zu. Natürlich gehört zu einem Besuch im Gefängnis auch, dass auch wir von uns erzählen, von unserem Leben, unseren Erfahrungen und unserem Glauben. Wenn Sie so wollen: man braucht für diese Arbeit die gleichen Eigenschaften und Fähigkeit wie für einen Besuch bei einem Bekannten.

Was lieben Sie an Ihrer Aufgabe?

Ich liebe meine Aufgabe nicht – ich würde lieber heute als morgen damit aufhören. Ich liebe es nicht, Menschen im Gefängnis zu besuchen. Es ist nicht schön, ihre Trauer darüber zu erleben, dass sie ihre Partner, ihre Kinder, ihre Eltern nicht regelmäßig sehen können – ihre Trauer über die Sorgen und Enttäuschungen, die sie in ihre Familien gebracht haben – ihre Angst vor der Zukunft, vor den nächsten Tagen im Gefängnis, vor der Entlassung, vor der Freiheit.

Welches sind gegenwärtig Ihre größten Herausforderungen?

Das Durchschnittsalter der Kontaktgruppenmitarbeiter ist zur Zeit sehr hoch. Unsere Gruppe in Gummersbach existiert seit Anfang der 60er-Jahre. Wenn wir diese lange und gute Tradition fortsetzen wollen, brauchen wir drin­gend jüngere Menschen, die sich in der Kontaktgruppe engagieren. Ich fühle mich dazu herausgefordert, bei jeder möglichen (und manchmal auch unmöglichen) Gelegenheit über unsere Arbeit zu berichten und den Menschen zu zeigen, dass wir offen sind für jeden, der mitarbeiten möchte.

Wenn ein Wunsch auf jeden Fall wahr würde: Was würden Sie sich wünschen?

Wir brauchen auch weiterhin Gefängnisse, weil es Menschen gibt, die nicht in Freiheit verantwortungsvoll leben können. Ich wünsche mir aber, dass unsere Gefängnisse Sinn bekommen, dass die Menschen, die darin leben müssen, anfangen zu träumen, anfangen, Visionen zu entwickeln und anfangen, ihre Träume und Visionen umzusetzen. Ich wünsche mir, dass unsere Gefängnisse ihren Bewohnern das Handwerkszeug für diese Umsetzung mitgeben können. Dieses Handwerkszeug kann ganz unterschiedlich sein: Bildung zum Beispiel oder soziale Kompetenz oder die Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit. Hier könnten noch viele, oft sehr individuelle Gründe für eine Straffälligkeit aufgezählt werden. Der Grund für einen Gefängnisaufenthalt ist in der Regel nicht die Straftat, sondern das, was die Straftat ausgelöst hat. Wenn wir es dann noch schaffen würden, den Menschen in unse­ren Gefängnissen zu helfen, sich selbst und Gott ihre Schuld einzugestehen … Erst dann haben sie die Chance, nicht wieder in ein Gefängnis zu müssen, und wir haben die Chance, weniger misstrauisch zu sein.

Welcher Bibelvers ist Ihnen besonders wichtig?

Das verändert sich immer wieder – und es sind nie einzelne Stellen. Mal sind es Stellen, die mir Kraft und Mut geben. Mal die Stellen, die mich in meinem Denken und Handeln korrigieren. Im Moment freue ich mich, wenn ich auf Bibelstellen stoße oder gestoßen werde, die mir zeigen, dass Gott mich so braucht, wie ich bin – so unvollkommen und unzulänglich, wie es nun einmal der Fall ist.

Warum lohnt es sich, den Gottesdienst zu besuchen?

Ich habe neulich in einem sehr guten Vortrag die Frage von einem Ausbilder in einem Mis­sionswerk an seine Schüler gehört: Wie wollt Ihr den Tag schaffen, wenn Ihr ihn nicht mit einem Gebet beginnt? Daran angelehnt möchte ich Ihre Frage folgendermaßen beantworten: Wie wollen wir denn die Woche schaffen, ohne sie mit einem Gottesdienst begonnen zu haben? Ein Gefängnispfarrer, der auch hin und wieder mal in Gummersbach gepredigt hat, Rudolf Hebeler, hat seine Gottesdienste immer mit folgendem Satz beendet: Der Segen beendet nicht den Gottesdienst, der Segen führt den Gottesdienst in die Woche fort!

Interview und Foto: Frank-Michael Rommert